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03.12.2011

der volkskünstler


momentan läuft eine große retrospektive des petersburger künstlers ilya glazunov, der noch in zeiten der UdSSR zum "volkskünstler" ernannt wurde. seine themenbereiche: russische geschichte, mythologie, politik und christentum, verwirklicht in überdimensionierten ölschinken.


eine kurze recherche hat ergeben, dass der mann ein ultranationalistischer monarchist und und erklärter gegner von demokratie ist, der beste kontakte zur russisch-orthodoxen kirche und zur offiziellen politik unterhält.
demnach wenig verwunderlich, dass das oben gezeigte bild von 1999 mit dem titel "der markt unserer demokratie" die apokalyptischen wirren darstellt, die die demokratie über russland gebracht haben soll. wer sich das bild genauer ansehen will, kann das hier tun: ein vollkommen verrücktes gemisch aus politschen, kapitalistischen und religiösen symbolen, porträts von hitler, stalin, marylin manson, bill clinton, madeleine albright und anderen, einer allegorie auf das sich prostituierende russland, einem junkie, dem leidenden volk usw.
besonders in hinblick auf die parlamentswahlen diesen sonntag, deren ausgang bekannt ist und zu denen die hälfte der leute nicht geht, fand ich die ausstellung mehr als beunruhigend.

30.10.2011

kulturfabrik

die moskau-aufarbeitung ist abgeschlossen und wir können uns wieder piter zuwenden.
über die organisation "deutsch-russischer austausch" gibt es ein projekt, bei dem es um die erforschung zeitgenössischer deutscher kultur in petersburg geht. wir gehen in galerien, ausstellungen, zu vorträgen usw. von/mit/über künstlerInnen aus deutschland. ist ganz interessant und es sind viele nette leute dabei.


waren am donnerstag bei der ausstellungseröffnung von "fragments of an unknown city". studentInnen des berliner instituts für raumexperimente haben petersburg beforscht und dabei unter anderem diese "ortsspezifischen" gewächse gefunden und gezüchtet.



das ganze fand in der ehemaligen textilfabrik "krasnoje znamja" (rote flagge) statt; ein architekturdenkmal des russischen konstruktivismus, wo vor einigen jahren der betrieb eingestellt wurde und jetzt ein kulturzentrum entstehen soll.



am freitag gab es gleich noch eine veranstaltung in der fabrik. gezeigt wurde "berlin - die sinfonie der großstadt", ein experimenteller dokumentarfilm von 1927. sehr spannend, wie dort mit filmischen mitteln rhythmus erzeugt wird.



28.10.2011

moscow biennale

freitags waren sveta und ich bei einer performance-nacht, die irgendwie mit der moskauer biennale zu tun hatte, in einem rohbau nähe jauza-fluss/moskva. pretty schräg und freezing cold down in the cellar!



am montag dann bei der moskauer biennale im artplay center. übrigens kuratiert von peter weibel. dafür, dass die ausstellung unter dem unbescheidenen titel "rewriting worlds" lief, waren die meisten arbeiten reichlich formal und inhaltsschwach. dafür umso mehr multimedia- und spielespaß für die besucherInnen. so wie hier bei diesem greifarm-automat, mit dem man sich einen neuen pass angeln konnte.

sveta und ingo beim passfischen

unter den exponaten u.a. zwei zitate auf ilja repin, seines zeichens vertreter des russischen realismus, von kijong zin: "romance in the gulf", 2010
 
"Die Wolgatreidler", 1873


  "Welch' Freiheit!", 1903
 

14.10.2011

towards the other

had a really good day yesterday. war zuerst mit aljona in einer sehr spannenden ausstellung "towards the other" mit videoarbeiten der niederländischen künstlerin mieke bal und der russischen gruppe "chto delat?"zum thema migration und dessen bearbeitung in zeitgenössischer kunst. check out the link, wirklich interessant.




über die neva auf der troitskij-brücke mit blick auf die peter-paulsfestung


ein mutiger schwimmer 


anschließend gab's in einem buchladen noch eine kinovorführung, eine doku aus den sowjetischen achtzigern: "der mit dem lied." im grunde geht es um einen komponisten, der für eine kabelfirma eine feierlich firmenhymne geschrieben hat und und durch die lande reist, um das lied verschiedenen firmen anzubieten. ein bizarres dokument längst vergangener tage mit ihren heute absurd wirkenden ritualen.



21.09.2011

neue kunst & alte drachen

habe gestern einen weiteren teil des festivals für zeitgenössische kunst in traditionellen museen angesehen. das gute an dem programm ist, dass man in museen gerät, in die man normalerweise nicht gehen würde. auf diese weise habe ich dem museum für kommunikation einen besuch abgestattet, in dem man immerhin eine sputnik und zahllose retro-fernsehgeräte bewundern kann.

das interessanteste an dem besuch war allerdings der "clash of cultures", den das programm dem namen nach ja auch herbeiführen will.
ich spaziere also durch das museum, auf der suche nach zeitgenössischer kunst. nichts zu sehen. also wende ich mich an eine der alten ladies, die sich hier ihr zubrötchen als aufpasserinnen verdienen und von denen mindestens eine in jedem raum zu finden ist.
es folgt ein beeindruckender redeschwall, von dem ich bestimmt nicht alles verstanden habe, aber dessen message klar war: das unnütze zeug wurde weggeräumt! und überhaupt, unverständlich, was die jungen künstlerInnen da hingestellt haben! meine nachfrage, ob das festival nicht noch einen ganzen monat dauern würde, hat eine ähnliche leier ausgelöst.
das gute daran: jetzt verstehe ich endlich das logo des festivals!


ein schlechtes foto, aber erkennbar, wer gemeint ist.

das museum selbst ist ein sehr hübscher palazzo aus dem 18.jahrhundert.

hier noch die sputnik und unten eine im hof verbliebenen, raumspezifische installation des festivals. auf die hatten die damen entweder keinen zugriff oder sie haben sie nicht entdeckt.



02.09.2011

einleben und herumstrawanzen

die uni gewährt mir noch eine schonfrist bis nächste woche und so ist genug zeit, sich herumzutreiben, einkäufe zu machen und das neue daily life auszutesten. bis dato komm ich mit meinem russisch recht gut zurecht, alles was gesagt werden will wird auf die eine oder andere art verständlich gemacht :)
und wenn man schon das richtige wort für "aufladegerät" nicht kennt, lassen sich auch kreative erklärungsmuster finden: "ding, um dem telefon energie zu geben".
ein solches hab ich mir in der zwischenzeit ebenfalls zugelegt. meine neue handynr.: +7 9117311074 

meine mietbewohnerin und damit erste russische gesprächspartnerin irin ist mir leider schon wieder abhanden gekommen, sie ist für drei wochen auf urlaub und nina stays all alone at home.
Ist aber halb so schlimm, morgen steht ein besuch in der ermitage, der unglaublich-unendlich-unheimlich riesigen petersburger kunstsammlung am programm. aktuell gibt es dort eine ausstellung der fotografien von Annie Leibovitz. 

beim eisessen und leute gucken am nevskij-prospekt, der 4,5 km langen prunkstraße vom moskauer bahnhof zum winterpalast, habe ich heute wiedermal eins meiner liebsten hobbys ausgeübt, nämlich alte damen anquatschen (sie wissen, dass ich im herzen eine von ihnen bin). hab gleich einen sehr netten kontakt geknüpft und wiedermal erfahren, dass in der sowjetunion alles besser war.



Der Gribojedov-Kanal. Führt von meiner Haustür....



...bis zur Auferstehungskirche und weiter.