25.11.2011

hoher besuch aus wien

andi ist hier!
 schon lange her: sommer 2011

ein wiedersehen im eisigen st.petersburg
 blick von der kolonnade der isaakievskij-kirche



schielender löwe mit angewachsenem baumstumpf

22.11.2011

übersetzungsstück

endlich online. ich freue mich über eure kommentare.

 
"Übersetzungsstück mit drei Stimmen"
ist eine Audiokomposition, zusammengesetzt aus drei Interview-Mitschnitten.

Aminath K. und Jana S. sprechen über zwei Gedichte, die sie selbst aus dem Russischen ins Deutsche übertragen haben. Die Gedichte haben für sie persönlich eine Bedeutung, die sie auch ihrem neuen kulturellen und sprachlichen Umfeld vermitteln wollten. Michaela L., die Russisch unterrichtet, kommentiert die Übersetzungen. Es entsteht ein Polylog zwischen drei Frauen, die sich nie begegnet sind, und zwei Gedichten, die einander entgegengesetzte Vorstellungen von Schicksal enthalten.
In der rhythmisierten Verwebung von Worten und Sätzen spiegelt die Komposition Inhalt und Form der Gedichte und den Vorgang des Übersetzens wider. Der Aufbau des Stücks verweist auf Wiederholung als maßgebliches Prinzip für die Verankerung kulturellen Erbes in der eigenen Identität.
Es geht um die Frage, wie Menschen, die sich zwischen Sprachen bewegen, mit den Schwierigkeiten und der Unmöglichkeit von Übersetzung umgehen. Denn in Klang, Rhythmus, Melodie, Wort und Struktur gleicht keine Sprache der anderen. 



Der Wunsch
Übersetzungen zu lesen oder anzufertigen
Wenn mich etwas fasziniert
berührt
möchte ich es mit Leuten teilen
und das kann ich nur
wenn sie meinen Code verstehen
und wenn sie meinen Code nicht verstehen
muss ich es in einen anderen Code übertragen
 Aus: Gespräch mit Jana S., am 14.11.2010.
Jana S. ist in Russland geboren und lebt seit ihrer Kindheit in Deutschland.

 
Der Klang
der Klang klingt
auch, wenn ich eine Sprache überhaupt nicht verstehe
Aus: Gespräch mit Michaela L., am 30.06.2010
Michaela L. unterrichtet Russisch als Fremdsprache.


Außerdem ist der Reim wichtig
Bei der Übersetzung ins Deutsche
ist es schwierig, die Reime zu treffen
Aus: Gespräch mit Aminat K., am 03.10.2010
Aminat K. kommt aus Tschetschenien und lebt seit 2005 in Österreich.




*Die drei Gespräche wurden unabhängig voneinander geführt - die Sprecherinnen wurden erst durch diese Arbeit in Beziehung zu einander gesetzt.















  

Скатертью, скатертью
    дальный путь стелется
    и упирается
    прямо в небосклон
    каждому, каждому
    в лучшее верится
    катится, катится
    голубой вагон

    Einem langen Tischtuch gleich
    breitet sich der Weg aus
    und stößt ganz hinten an
    direkt am Horizont
    und ein jeder unter uns
    glaubt an das Bessere
    und indessen rollt und rollt
    der hellblaue Waggon

Text: A. Timofejevskij
Übersetzung vom Russischen ins Deutsche von Jana S.
Bild aus dem Zeichentrickfilm Schapokljak.



 















    
Я в путь пойду
    пусть злится ветер грозный
    Я в путь пойду
    на встречу бурю грозной

    Ich gehe den Weg
    trotz dem boshaft Wind schrecklich
    Ich gehe den Weg
    entgegen Sturm schrecklich


Gedicht: Raisa Akhmatova
Übersetzung vom Russischen ins Deutsche von Aminat K.
Zeichnung von Aminat K.





extraterrestrisches ohrensausen

hatte am wochenende die gelegenheit, ein "theremin" live in action zu erleben. das theremin ist ein elektronisches instrument, das 1919 von einem russen erfunden wurde und bis heute von dem zauber lebt, dass es allein durch handbewegungen in seinem magnetfeld zum klingen gebracht wird.


dieser lady aus graz haben wir am samstag beim petersburger cyber art festival gelauscht. ein intergalaktischer hörsturz.


20.11.2011

stalinistischer süden

ein ausflug in den süden der stadt. hierhin wollte stalin das stadtzentrum verlegen.

 der moskowskij prospekt

silke, max, mark, yulia vor dem "haus der sowjets"


das gigantische denkmal für die "heroischen verteidiger leningrads" am platz des sieges.




lenin  zeigt den weg zum weihnachtsbaum


19.11.2011

rauf und runter läuft die zeit

zum zeitgefühl der stadt.
merke: an den fußgängerampeln werden die sekunden, die zum überqueren der straße verbleiben, abgezählt. loslaufen bei 0:03 ist keine gute idee.



anders in der metro: hier werden die minuten und sekunden angezeigt, die seit abfahrt des letzten zuges verstrichen sind. auch eine interessante methode, bei der man raten/schätzen kann, wann der nächste kommt, was circa alle zwei minuten der fall ist.



und noch eine anmerkung zu meinem persönlichen zeitgefühl: sie läuft, sie fliegt, sie rast nur so dahin! was für eine gute entscheidung, ganze zwei semester hierzubleiben. eines wäre viel zu wenig, das erste ist ja quasi schon vorbei. 
eine gefühlte zeitbeschleunigung gibt es auch durch zahlreichen besucher: dieses wochenende sind mein hostbro mark aus neuseeland und ein freund  zu gast; am mittwoch kommt auch schon andi für vier tage. yeih! ich freu mich!




18.11.2011

happy uni

bisher noch nicht vorgestellt: meine fakultät. ich studiere hier an der psychologischen. wer sich fragt, warum: das austauschprogramm läuft über das wiener institut für bildungswissenschaften, wo ich einen teil meines lehramtstudiums absolviere - kurse zu pädagogik, entwicklung, erziehung usw.
das gleiche mach ich nun hier, bloß auf russisch. die kurse, die ich hier belege, sind inhaltlich sehr gut gemacht; alle bedenken, dass ich mit sowjetischer drill-pädagogik nach hause zurückkehre, könnt ihr beruhigt ad acta legen.
das gebäude ist hell, sauber und freundlich; meine ehemalige mitbewohnerin sandi meinte sogar, der besuch der fakultät sei "eine heilsame erfahrung".



 alles in allem sind meine erwartungen, was die uni betrifft, bei weitem übertroffen worden. alles gut organisiert und größtenteils interessante vorlesungen. das ist doch mal ein gutes zwischen-resümee! 

auch die kantine ist durchwegs brauchbar, im vergleich zu dem fraß an der angewandten.



17.11.2011

park as you wish



als fußgängerin hat man hier kein leichtes leben. situationen wie diese, wo sich mir in wien die nackenhaare sträuben, ich  mich aufplustere und losschimpfe wie ein rohrspatz und schnaubend und spuckend meinen weg fortsetze sind hier so normal, dass sich die aufregung nicht lohnt oder zum baldigen herzstillstand führen würde.


aber nicht nur die russInnen parken gerne im fußgängerbereich. hier demonstriert ein fürstenfelder am ligovskij prospekt seine parkkünste.

15.11.2011

saposchki moi

gerade noch rechtzeitig mein schuhwerk für den winter aufgerüstet, der uns wohl bald ins haus steht. noch hat es nicht wirklich geschneit, aber lange kann es nicht mehr dauern, den frostigen temperaturen nach zu schließen. daher: ab auf die sadovaja uliza, wo sich auf einem knappen kilometer die stadtweit höchste dichte an schuhläden finden lässt. und dort habe ich nicht einfach warme stiefel - sapogi - gekauft,  nein, das seien - saposchki - stiefelchen, so die verkäuferin. oh, wie liebe ich das russische diminutiv! alles und jeden kann man damit aufs zärtlichste verniedlichen.

dieses fröhliche liedchen eignet sich hervorragend, um meiner grenzenlosen freude über die nun warmen füßchen ausdruck zu verleihen. sapogi, sapogi!


14.11.2011

weekend in action


was für ein wochenende! begonnen hat es eigentlich schon am donnerstag abend, julia und ich auf ein bier oder zwei im loft projekt etagi am ligovskij prospekt. ein sehr schöner, megahipper ort mit ausstellungsräumen, cafe usw. und einer terasse, auf der es sich im sommer bestimmt fein sitzen lässt.
am samstag gab es vom deutsch-russischen austausch eine veranstaltung zur gestaltung von stadtführungen. dazu wurde ein russischer professor eingeladen, der in moskau, petersburg, nyc und rom stadtführungen mit architektur-schwerpunkt namens velonight veranstaltet. das sind ziemliche events sein, bei denen tausende von leuten nachts mit dem rad durch die straßen fahren und per radio infos zu den besuchten orten erhalten.



das logo der velonotte roma - gefällt mir sehr gut!


samstag abend hab auch ich mich noch auf eine nächtliche stadttour begeben. ein neuer bekannter von der uni hat mich auf ein getränk in einer art russischen KFC eingeladen und danach sind wir noch mit seinen freunden durchs nächtliche petersburg zu den wohnhäusern der dichter daniil charms und iossif brodskij spaziert. die majakovskaja uliza entlang, gespräche über literatur. wiedermal hat sich bestätigt, was meine russischprofessorin stets prophezeit hat, nämlich, dass sämtliche russInnen sämtliche gedichte auswendig können, alle bücher gelesen und alle filme gesehen haben. und nichts weniger von ihrem gegenüber erwarten...vor dem haus von daniil charms gab es dann eine spontan-rezitation, das war ganz wunderbar.

am sonntag noch eine interessante veranstaltung: der "3. intellektuelle flohmarkt - worte & sachen" im zentrum für junge forschung. im programm: vorträge zum thema "revolution in der stadt", ein bücherflohmarkt, eine fotoausstellung, ein workshop zu "revolutionärem hand-made", fotoecke mit einer michel-foucault-puppe und der bau einer blockade. das nenne ich eine unterhaltsame heransgehensweise ans thema!


gestern abend noch ein klassisches ballett im rimskij-korsakov konservatorium bei uns um die ecke. gezeigt wurde das stück "giselle". großes, klassisches ballett mit allem, was dazu gehört. was für ein fantastischer kostümschinken!

12.11.2011

"home in vienna"


Die Globalisierung macht`s möglich – „home in vienna“, auch in Sankt Petersburg.
Das österreichische Unternehmen „The Coffeeshop Company“ verspricht das Flair eines Wiener Kaffeehauses in die Welt zu tragen. In Petersburg ist das an ganzen 23 Standorten der Fall. Aber ist es das wirklich?




Quintessenz des Wiener Kaffeehauses ist zum einen die Einrichtung, die KoffeinfreundInnen in eine Zeit zurückversetzt, die jedenfalls seit den 1970ern passe ist. Kaffeehäusern haftet noch heute der Ruhm längst vergangener Tage an, in denen sie von KünstlerInnen und LiteratInnen bevölkert wurden, die bei einer günstigen Tasse Kaffee geschrieben, diskutiert, die Zeitung gelesen oder einfach stundenlang die Stühle gewärmt haben. Bis heute unverändert ist das Angebot an Kaffeespezialitäten, die als typisch für die Hauptstadt gelten: der „kleine“ Schwarze, der „große“ Braune oder die „Wiener“ Melange.

Betritt man die Zweigstelle der „Coffeeshop Company“ – „home in Vienna“ - am Nevskij Prospekt, erinnert nichts, und schon überhaupt nichts, an ein Wiener Cafe. Die Einrichtung wie bei Starbucks, nur ungemütlicher, und statt Melange und großem Braunen gibt es Moccacino und Cafe Americano zu Preisen, die die Wiener LiteratInnen auf der Schwelle hätten umkehren lassen.






 Ein weiteres Charakteristikum des Wiener Kaffeehauses – der grantige (=schlecht gelaunte) Kellner gesetzteren Alters, der seine zahlungswillige Kundschaft gekonnt ignoriert. Zumindest darin, würde man meinen, sollten uns die RussInnen mit ihrem Service-Verständnis um nichts nachstehen. Aber etwas unwienerisches als eine Kellnerin, sie sich mehrmals und in aller Form für eine dreiminütige Wartezeit entschuldigt, hat man in ganz Petersburg noch nicht gesehen.









Куда пойдут жители Вены в Санкт-Петербурге в порыве тоски по родине? Глобализация это делает возможным – «home in Vienna» - и в Санкт-Петербурге. Австрийская компания «The Coffeeshop Company“ обещает распространить стиль венского Кофе Хауза на весь мир, а также и в Санкт Петербург, в 23 места расположения. Но действительно ли это так?

Квинтэссенция венской кофейни – это с одной стороны мебель, которая возвращает любителей кофеина в эпоху прошлого, давно прошедшую уже в семидесятых годах. У кофейн до сих пор держится слава прошедшего времени, когда они были заполнены художниками и писателями, которые за недорогой чашкой кофе писали, обсуждали, читали газету или просто "держали стулья теплыми". До сегодняшнего дня остается неизменным выбор специальных сортов кофе, считающиеся типичными для столицы: «кляйнер браунер», «гроссер шварцер» и «венский меланж».

Входя в отделение «
Coffeeshop Company» - «home in Vienna», на Невском проспекте ничего, вообще ничего, не напоминает о венской кофейне. Мебель как у Starbucks, но менее уютная, вместо «меланж» и «гроссер браунер» мокачино и кофе американо по ценам, вид которых побуждал бы венских литераторов повернуться прямо у порога.

Другая характеристика венской кофейни – ворчливый официант пожилого возраста, искусно не принимающий во внимание клиентуру, готовую произвести платёж. По меньшей мере в этом считается, что русские официантки со своим пониманием слова «сервис» не уступают нам. Но что это, когда официантка несколько раз, самым вежливым тоном извиняется за то, что нам надо было ждать на три минуты дольше? Чего-то еще настолько «не по-венски» больше не найдешь во всем Петербурге.

Австрийская культура в Санкт-Петербурге? Поиски продолжаются дальше.