04.04.2012

in guter nachbarschaft

bei einem unserer entdeckungsstreifzüge durch die nachbarschaft haben andi und ich ein mir bisher unbekanntes, zauberhaftes eck entdeckt. keine 100 meter von meinem zuhause liegt ein verschachteltes, ruhiges seitengässchen, in dem sich wahre perlen eklektischer jahrhundertwendearchitektur finden lassen.







das tor zur vergangenheit wird von einem friedlichen kerberos flankiert.

  

in diesem weniger auffälligen gebäude hat einst lenin ein jahr seines vorrevolutionären lebens verbracht. wohl aus diesem grund befindet sich noch heute darin das museum des "nichtadeligen petersburg", das zu besuchen uns leider verwehrt wurde: der letzte donnerstag des monats ist "sanitätstag". ich nehme an, dass an diesem tag die leninstatuen abgestaubt werden.


01.04.2012

cat city, no.2

fortsetzung der beliebten serie "it´s a cat's town"



katze auf dem heißen vordach


eigentlich hatte ich nur diesen kerl  im visier (man beachte die enorme körperfülle auf dem dünnen ästchen)

und erst beim angucken der fotos habe ich bemerkt, dass da im hintergrund auf der mauer noch zwei sitzen. finde es erstaunlich und ein bisschen gruselig, auf einer reproduktion etwas zu entdecken, was ich in reality nicht bemerkt habe.

30.03.2012

gesetz gegen die "propaganda von homosexualität"

mit dem heutigen tag tritt in st.petersburg ein international umstrittenes gesetz in kraft, dass die "propaganda von homosexualität unter minderjährigen" unter strafe stellt und dabei jegliche form von nicht-konventionellen partnerschaften in einem atemzug mit pädophilie nennt.

kritikerInnen befürchten, dass das schwammig formulierte gesetz dazu genutzt wird, jegliche (neutrale / positive) öffentliche äußerung über homosexualitaet zu verbieten und damit völlig aus dem öffentlichen leben zu verdrängen. als ein zeichen von protest wird zu einem tourismusboykott von petersburg aufgerufen.
 

schwieriges thema. ich bin mir nicht sicher, ob das wirklich auswirkungen haben kann. ein fall, der vielleicht etwas bewirken oder zumindest staub aufwirbeln könnte, ist der von madonna, die im august einen auftritt in st.petersburg plant und von der russisch/us-amerikanische journalistin masha gessen dazu aufgerufen wurde, sich dem boykott der stadt anzuschließen. in einer reaktion meinte madonna, dass sie die show nicht absagen, sich aber für die rechte von sexuellen minderheiten aussprechen werde...ganz schön schwach von dem material girl.



wie die standard heute berichtet, soll ein ähnliches gesetzt auch landesweit umgesetzt werden.
das traurige ist, dass eine solches gesetzt durchaus von einer mehrheit der russInnen unterstützt werden würde. auf diesem plakat, das dank neil's britischem humor in unserer küche haengt, lässt sich ablesen, mit wem junge russInnen nicht befreundet sein wollen. "vertreterInnen sexueller minderheiten" sind in etwa so beliebt wie ehemalige kriminelle oder die sogenannten "gopniks". die gespräche mit seinen studentInnen würden die studie übrigens bestätigen, so mein nachbar, der an einer uni englisch unterrichtet. homophobie ist hier tatsächlich, und zwar auch unter leuten, von denen man es nicht erwarten würde, weit verbreitet. so auch mein erfahrungswert...


mehr infos auf der seite der saint petersburg times:
www.sptimes.ru

und hier
http://allout.org/en/actions/stpetersburg-dont-go

29.03.2012

russische rätsel

warum legen russInnen so viel wert auf saubere schuhe - beweisen lässt sich das ganz leicht mit einem bodennahen rundumblick in der metro - aber fahren derartig dreckige autos, dass man sich allein beim hinschauen schmutzig macht?


und während es in einer stadt wie dieser gleichermaßen schwierig ist, das eine wie das andere straßenexponierte objekt sauber zu halten, werden ungeputze schuhe verächtlich als spiegel der  unordentlichen trägerInnenseele gewertet, aber die fahrerInnen der versauten karosserien weit milder bewertet: was soll man da machen, wenn's so dreckig ist in der stadt, da lohnt sich doch die autowäsche nicht.
erkläre mir einer diese logik. das petersburger straßendreckparadox; bloß ein weiteres rätsel, das mir die russenheit aufgegeben hat.

26.03.2012

ein wässerchen zum sonntag

neulich an einem sonntag mit ira bei ihrer freundin mascha und deren mutter vera michailovna. eigentlich sind wir nur gekommen, um alte sachen für einen charity-flohmarkt abzuholen, geblieben sind wir aber auf ein nachmittägliches festmahl aus gekochten kartoffeln, hering, sauerkraut, eingelegten gürkchen,  marinierten pilzen, schwarzbrot und danach kompott. und dazu gab es drei gepflegte gläschen wodka, die man nicht nach, sondern während dem essen trinkt. und das in guter gesellschaft.





und obwohl sonst kein fan von nationalen mentalitäts-klischees, so muss ich ira doch recht geben, dass ich an diesem nachmittag die russische gastfreundschaft kennengelernt habe. womit sonst lässt sich erklären, dass ein mensch, den du zum ersten mal in deinem leben triffst, dich nicht nur aufs allerköstliches verköstigt, sondern dir auch noch ein wirklich schönes wörterbuch schenkt und obendrein verspricht, dir bis zum morgigen tag gestrickte schühchen ("tapotschki") anzufertigen? oh, oh, oh, spasibo bolschoje!




24.03.2012

arme felge

so sehr ich mich oft nach einem "marschrutnoje taksi" sehne (merke, die marschrutka kommt dann nicht, wenn man sie am dringlichsten herbeiwünscht) - manchmal ist es besser, darauf zu verzichten. nämlich dann, wenn der fahrer so dreist mit plattem reifen dahinfährt, wie dieser hier es tut. scheinbar unbeindruckt von seiner fahruntauglichkeit und gerade so langsam, dass ich die kamera zücken konnte, ist dieser felgenschänder neulich mit vollbesetztem wagen am ufer der gribojedov kanals entlanggeschliffen.

23.03.2012

timing


 auf meinem weg zur uni ist mir aufgefallen, dass aus irgendeinem grund auf der gorochavaja uliza alle uhren stillzustehen scheinen.

das beginnt mit der quadratischen uhr klassischen designs an der ecke kazanskaja uliza, die unabhängig von tages- und nachtzeit beharrlich 12:55 anzeigt.
etwa vierhundert meter weiter, ecke sadovaja uliza, findet sich ein laden mit dem nicht gerade bescheiden dimensionierten firmen-schild "die russische uhr".








selbige steht seit jahr und tag auf 14:10 und ist nicht sonderlich hilfreich, wenn ich wieder mal beschleunigten schrittes die gorochavaja uliza entlang richtung uni haste, mich alle paar minuten umdrehend, um zu sehen, ob nicht doch eine marschrutka des weges kommt. genau wie die beiden ungetakteten uhren folgen auch die innerstädtischen minibusse keinem fixen regime und so bleibt einem nichts anderes übrig, als zähneknirschend deren ungewisse ankunft abzuwarten oder aber zu laufen und zwischenzeitlich halbelegante pirouetten einzulegen, um der von hinten herannahenden marschrutka im fall des falles ein handzeichen geben zu können.


so gestaltet sich mein weg zur uni durchwegs adrenalinhaltig - lauf, keuch - drehen, spähen, weitergehen.



der uhren-"remont" eine straße weiter hat bisher weder den beiden unnützen zeitmesserinnen noch mir zu mehr pünktlichkeit verholfen.

22.03.2012

/x/ello to the /x/ills

privjet, dorogie moi!
ein privjet, das schon nicht mehr aus dem krankenbett kommt, welches ich bereits vor geraumer zeit vorgezogen habe zu räumen. genauer gesagt hat mich julia bereits am wochenende mit einem herz- und nierenerwärmenden flambierten sambuca zurück zu den lebenden geholt. die julia, die soeben die aufnahmeprüfung für die fh steyr geschafft hat - oh, die welt ist klein, meine petersburger freundin kommt nach österreich - julik, ty molodez, kak soljonij ogurez! (gut gemacht/ein prachtkerl, wie eine salzgurke!)

ich kann berichten, dass sich hier in piter mittlerweile eine möglichkeit gefunden hat, meine herrliche singstimme zu erheben. tatsächlich hat die möglichkeit mich gefunden: eine unifreundin hat auf meiner vkontakte-seite (das russische facebook) ein bild vom wiener subchor entdeckt und mich daraufhin zu ihrem kleinen, feinen chörchen eingeladen, der von der professionellen hand einer angehenden dirigentin geleitet wird. die liedauswahl ist etwas wild, диковато, gospel, ukrainische volkslieder und - the sound of music! wär hätte gedacht, dass ich in der nördlichen hauptstadt russlands die österreichischen alpen besingen würde - und das mit russischem akzent - the /x/ills are alive!

 auf der neva schmilzt das eis, langsam, langsam.

14.03.2012

kascha im kopf

das märzenkalb hat mich erwischt, und das bei tristen temperaturen um die null grad samt schneegatsch und -regen. die ohnehin selten vorhandene märzsonne ist nicht die schuldige; wohl eher war's das leichtfertig frühzeitige abwerfen des  lammfellmantels, der mich bis dato vor rauhem wind und wetter geschützt hat. aber kann man mir wirklich einen vorwurf machen, dass ich nach zwei langen wintermonaten nicht mehr in einem fünf kilo schweren omabehang mit dezentem mottenkugelodeur durch die straßen wanken wollte, durch die zumindest ab und dann bereits ein hauch von frühling weht?

und dabei wollte ich erst neulich meine "железное здоровье", meine "eiserne gesundheit" loben, die mich bisher frei von krankeiten, seuchen und anderen unglücken durch die monate gebracht hat; im gegesatz zu einer armen unikollegin, die auf das leitungswasser hier allergisch reagiert oder dem unglücklichen neil, der nach einem sturz beim eislaufen 300 euro in der amerikanischen klinik lassen musste, damit seine platzwunde versorgt wurde.


nun ist es also soweit, mein kopf fühlt sich an wie matsch und auch sonst ist es mit mir nicht zum besten bestellt. ich versuche diesem unerfreulichen zustand mit einer erhöhten dosis an vitamin C beizukommen, das ich aus massenweise weißkohl gewinne (eines der wenigen wirklich erschwinglichen produkte hier, die zwei-kilo-kugel lässt sich für nur 50 cent erstehen). des weiteren vertraue ich auf die wirkung von grippostad, dessen nicht geringer koffeingehalt mich diese zeilen verfassen lässt.
 
 

каша в голове - kascha v golove - brei im kopf. eine schöne russische redewendung, mit der sich mein vorfrühlingshafter pre-primavera krankenstand gut beschreiben lässt.


wenn man dem gesicht der kascha-haferflocken, natalja viktorovna ovsjankina, glauben schenken darf, dann enthält ihr lieblingsfrühstücksbrei alle nötigen vitame, um mich wieder auf die beine zu bringen. und nicht nur das: "auch die figur nimmt die gewünschten konturen an. und mein mann bemerkt das - "heitere sonne" nennt er mich!".

für heute schließe ich die krankenakte, mit kascha im kopf und kascha im bauch.

12.03.2012

streetlife

liebe konz, ob die hiesigen straßenhunde tatsächlich in der lage sind, die u-bahn zu benutzen und sogar wissen, an welcher station sie aussteigen müssen, kann ich noch immer nicht bestätigen. mit sicherheit lässt sich aber sagen, dass die zivilsationsangepassten streuner wie selbstverständlich die verkehrsregeln befolgen. der beweis in bildern: